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MAC PARA TECHNOLOGY
MAC PARA TECHNOLOGY
QUALITÄT UND LEIDENSCHAFT

Text: Norbert Aprissnig Fotos: Norbert Aprissnig, Franz Altmann

Einer der interessantesten Gleitschirmhersteller der Szene ist Mac Para Technology. THERMIK hat den Produktionsbetrieb und seinen charismatischen Inhaber, Peter Recek, im Osten der Tschechischen Republik besucht.

Berge bis 1.500 m Höhe und viel Wald - es ist wunderschön hier in den kleinen Beskiden, der Heimat von Mac Para Technology. Auch das Wolkenbild ist ansprechend,lediglich der Wind und unsere späte Ankunft in Roznov pod Radhostem machen einem Gleitschirmflug wohl einen Strich durch die Rechnung.

Roznov ist ursprünglich ein kleines Städtchen, mit schlesischer Vergangenheit und Geschichte. Weniger ansehnlich sind die Spuren jüngerer, sozialistischer Vergangenheit in Form des riesigen, ehemaligen Elektrokombinats Tesla, das zugleich aber unser Ziel ist. Hier fanden einmal bis zu 8.000 Menschen eine Beschäftigung, die vor allem elektrische Geräte für den Export in die Staaten des Warschauer Pakts produzierten. Für den aufstrebenden Gleitschirmhersteller Mac Para ein Glücksfall, der in Räumlichkeiten des ehemaligen Kombinates seit 1993 eingemietet ist.

„Es ist wirklich schön hier“, wird uns Mac Para-Inhaber Peter Recek später erzählen. Und tatsächlich: Auf mehreren 1.000 m2 liegen die hellen Räumlichkeiten, die genug Platz für die Produktion und auch einen Ausblick auf die Fluggebiete der Umgebung bieten.

Denn „Mac Para“, wie der Hersteller meist verkürzt genannt wird, hat hier nicht nur seine Zentrale, sondern produziert in Roznov auch einen Großteil seiner Gleitschirmpalette „made in Europe“. Schnell werden wir verstehen, dass sich dahinter weniger ein verschwommener Qualitätsanspruch versteckt, sondern ein Kernpunkt der Philosophie von Mac Para.

macpara

 

Ruhmreiche Geschichte

Der Erfolgslauf von Mac Para stellt sich schon relativ bald nach seiner Gründung ein. Es sind hauptsächlich leistungsstarke Modelle und später, ab 2001, vor allem die „Magus“-Modellreihe, die den Ruf von Mac Para prägen. Dann werden Cracks wie Petra Krausova, Aljaz und Urban Valic oder der französische Europameister Greg Blondeau den Ruf der Marke hochhalten. Und auch der aktuelle Weltrekord in Freier Strecke wurde unter einem Mac Para Magus erflogen: Der Südafrikaner Nevil Hullet flog 2008 über 502 km weit!

Während Mac Para durch unzählige Erfolge seinen Bekanntheitsgrad vor allem weltweit aufbaut, verläuft die Markteinführung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz etwas schleppend. Mag es in unseren Breiten an fehlenden guten Importeuren oder einer gewissen Skepsis gegenüber Produkten aus dem ehemaligen Ostblock gelegen haben schwer zu sagen! An den Konstruktionen von Peter Recek oder deren Verarbeitung kann es nicht gelegen haben, den die waren immer außergewöhnlich. Und langsam finden Mac Para Serienschirme wie Muse, Eden, Envy oder Intox auch den Weg in unsere Breiten.

Peter Recek: Mann für allesReček and Amon

Die herausragende Produktqualität liegt vor allem am charismatischen Firmengründer Peter Recek. Peter ist bei Mac Para einfach für so gut wie alles zuständig und konstruiert und testet seine Flügel allesamt selbst. Und dabei verschließt er sich modischen Strömungen meist ziemlich vehement, was für die nur langsame Steigung des Bekanntheitsgrads in der Vergangenheit in unseren Breiten auch ein Grund gewesen sein könnte. Man muss die große Kapazität der Flügel aus Roznov erst zu schätzen lernen. Sie kommen nicht in einer von Marketing aufgeblasenen Schwemme laut brüllend auf den Konsumenten zu. Nein, man muss ihn schon wollen, sich mit ihm beschäftigen, dem ganz speziellen Gleitschirm aus den kleinen Beskiden!

Für Peter Recek steht Produkt- und Verarbeitungsqualität an allererster Stelle und da ist er in keinster Weise gewillt, Kompromisse einzugehen. Zum Beispiel folgt Recek trotz „externer Intervention“ beim aktuellen Erfolgsmodell in der C-Klasse, dem Elan, nicht dem allgemeinen Trend nach unummantelten Stammleinen. Sicherheit und Langlebigkeit sind ihm wichtiger! Darauf angesprochen erklärt Peter Recek ganz ruhig: „Der Elan gleitet mit den ummantelten Leinen sehr gut. Und so ist auch die richtige Geometrie des Gleitschirms auf längere Zeit gewährleistet!“

In der Produktion von Mac Para Technology

Ich freue mich immer, wenn ich auf Messen oder Veranstaltungen Peter Recek treffe. Er ist ein überaus kompetenter Pilot und Gesprächspartner, spricht hervorragend deutsch und verfügt über ein sympathisches und gewinnendes Wesen!
Schnell haben wir den Eingangsbereich überwunden und schreiten mit Peter Recek ins Herzstück seiner Firma: Die Produktion. Wenn man schon mehrere Gleitschirmproduktionen besichtigt hat, bekommt man schnell einen Eindruck der Philosophie der verschiedenen Anlagen. Hier herrscht, wohl ganz im Sinne von Peter Recek, pure Pragmatik. Will heißen: Hightech wo es sinnvoll und notwendig ist, wie zum Beispiel bei einem brandneuen Bladecutter, aber kein Geld verschwenden für sinnlosen Firlefanz! Hier steht das Wichtigste im Vordergrund: Die Gleitschirme, die Peter Recek nahezu wie Kinder liebevoll im Produktionsprozess „verfolgt“, möchte er am liebsten gar nicht loslassen. Man spürt förmlich, wie er jeden Schnitt, jede gesetzte Naht, jede Leine, jeden Tragegurt kontrollieren möchte. Und ich bin mir auch sicher, dass er das - trotz engem persönlichen Zeitplan - auch tut. Zumindest stichprobenartig! Und hier werden auch weitere Charakterzüge von Peter Recek deutlich: Er ist ein Perfektionist, der wohl schnell ziemlich unangenehm werden kann, wenn seine hohen Qualiätsanforderungen nicht erfüllt werden. Deshalb gibt es hier umfangreiche Qualitätskontrollen, die alle Produktionsabschnitte betreffen. Und deshalb würde der umtriebige Recek am liebsten jeden Mac Para Schirm persönlich hier in Roznov bauen und kontrollieren (was aus Kapazitätgründen nicht geht). Und deshalb wird möglichst nur die Produktion von einfachen Modellen ausgelagert, während die leistungsstärkeren Flügel hier unter Peters Aufsicht entstehen. Vor allem der neue Sportklasseschirm Elan wird ausschließlich in Roznov pod Radhostem produziert.

„Ich kann hier günstiger als in China produzieren und die Qualität ist unschlagbar“, erzählt Recek. Gerade beim Elan sei die millimetergenaue Geometrie entscheidend. Beim herkömmlichen Vernähen von Leinen werden diese vorher markiert, geschnitten und nach den Markierungen vernäht. „Das ergibt eine mögliche Ungenauigkeit von +/— 10 mm.“ Hier in Roznov werden die Leinen zuerst auf einer Seite abgenäht und dann erst am anderen Ende unter Zug genau auf die richtige Länge vernäht. „Umständlicher, aber unschlagbar von der Genauigkeit“, meint Recek. Und das mache bei aktuellen Leistungsschirmen schon Unterschied.

Mac ParaFür jeden Leinendurchmesser gibt es eine eigene Nähmaschine, was auch für konstante Qualität sorgt.
Tragegurte werden hingegen, high-tech-mäßig auf computer-unterstützten Nähautomaten gefertigt.
25 Angestellte arbeiten hier in Roznov, wobei immer eine Näherin für einen Schirm verantwortlich ist. Ein ausgeklügeltes Prämiensystem sorgt für die Motivation zu schneller und vor allem sauberer Arbeit. Peter bestätigt: „Ohne unsere treuen Mitarbeiter gäbe es die Firma nicht. Die meisten arbeiten hier schon übet 20 Jahre.“
Etwa 60-70 % der Jahresproduktion von Mac Para, die bei ca. 1.100-1.200 Gleitschirmen liegen soll, erfolgt hier in der Tschechischen Republik.

 

Fixes Standbein in der Paramotorszene

Vor einigen Jahren hat Mac Para begonnen, sich mehr und mehr auch im Paramotorbereich zu involvieren. Was ursprünglich vielleicht lich daran lag, dass Peter Recek hin und wieder gerne „mit Antrieb“ durch die Luft ist, hat sich zu einem ernsthaften Schwer-punkt entwickelt. Blickt man aktuell auf die Mac Para-Webseite, findet man im sauber abgetrennten Paramotorbereich sage und schreibe acht verschiedene Gleitschirmmodelle für das motorisierte Gleitschirmfliegen. Der erstreckt sich dabei von der Motorvariante das Einsteigermodells Muse über Trikeflächen und reine Reflexschirme bis hin zu reinen Slalom-Wettkampfschirmen. Auf etwa 40 % schätzt Peter Recek den Paramotoranteil an verkauften Gleitschirmen. Genaue Zahlen sind schwierig zu erheben, da Mac Para für viele „normale“ Gleitschirme eine Paramotorvariante anbietet. Allein in die USA, ein bekannt schwieriger Markt für Gleitschirme, werden pro Jahr 200 Patamotorschirme verkauft.

Die aktuelle Palette

Vor Kurzem wurde der erfolgreiche Einsteigerschirm Muse in der vierten Auflage produziert. Während sein Vorgänger, der Muse 3, durchaus auch in die Low B-Klasse gepasst hätte, ist der neue noch etwas mehr in die Mitte der A-Klasse gerückt (siehe A-Testival/Seite 12).

Der Eden 5 hat sich in der starken Intermediateklasse überaus gut bewährt. „Er kann was die  Leistung betrifft, mit Mentor & Co gut mitfliegen, ist von seinen fliegerischen Anforderungen  aber doch einfacher und liegt eher in der Mitte  Jet Klasse“, meint Peter Recek nicht ohne Stolz.  Bei Mac Para dreht sich zur Zeit alles um den Sportklasseschirm Elan. Von der tollen Verirbeitung konnten wir uns ja schon bei den  einzelnen Stationen in der Produktion überzeugen. Übrigens setzt man beim Elan weiterhin  durchgehend auf Tücher aus der französischen Porcher Sport-Schmiede, wobei das hochwertige Skytex 38 für Ober- und Untersegel zum Einsatz kommt.

ElanIm Flug soll der Elan neben anderen guten  Eigenschaften vor allem mit unglaublicher Stabilität in turbulenten Bedingungen und hervorragendem Gleiten in unruhigen, windigen Verhältnissen begeistern (das THERMIK-Test-team konnte sich im Rahmen des aktuellen Sportklasse-Testivals bereits davon überzeugen).  Im Hochleistungssegment bietet Mac Para den Marvel (EN C) und Magus XC2 (EN D). Zudem hat man in letzter Zeit bereits einige 2-Leiner-Prototypen von Mac Para fliegen gesehen. Ob und wieweit sich Peter Recek im Hochleistungs- und Wettkampfbereich wieder mit neuen Modellen engagieren wird, steht zur Zeit noch in den Sternen. Auf den Serienhoch-leistungsbereich angesprochen, klingen Peters Aussagen wieder einmal pragmatisch: „Mal sehen! Aber durch die hohe Leistung des Elan braucht man darüber eigentlich keinen weiteren Gleitschirm!“

Weiter im Programm bleibt der bewährte , nur 3,35 kg schwere Leichtschirm Yukon, der in unseren Tests und Testivals begeistern konnte. Es sind nicht nur Gleitschirme, die wir in den Präsentationsräumen von Mac Para bestaunen können. Der Hersteller versteht sich durchaus auch als Gleitschirm-Vollsortiment und bietet daher auch eine eigens entwickelte Gurtzeugpalette sowie Notschirme an.

Abschied von den Beskiden

Wir lassen den herrlichen Sommertag auf der Terrasse eines Lokals in Roznov pod Radhostem ausklingen. Der Wind dürfte vielleicht doch nicht zu stark zum Fliegen gewesen sein, meint Peter Recek und betrachtet etwas wehmütig die langsam über den Hügeln von Roznov zu zerfallen beginnenden Cumuluswolken. Wir sind noch immer vom Gehörten und Gesehenen beeindruckt und bereiten uns langsam auf unsere lange Rückfahrt vor. Die herrlichen Beskiden werden uns in guter Erinnerung bleiben. Eine interessante Region mit interessanten Menschen, die uns neu und fern erscheint ... und trotzdem mitten in Europa liegt!

 

Thermik magazine 3_2015