MAC PARA CHRONOS (Paramotor Magazine 2/12) Reisen mit einem schuss semireflex
Testpilot: Sascha Burkhardt
Mit dem Chronos knüpft Mac Para wieder an die Tradition des Hauses an, die nur mit dem Fullreflex Mac Jet unterbrochen wurde: spezielle Motorschirme, die ihre positiven Flugeigenschaften auf recht konventionelle Weise realisieren und höchstens einen Semireflex bekommen...
Der Macjet (PARAMOTOR 1-2010) war der erste Schirm bei Mac Para, der einen hohen Reflexanteil erhielt. Trotzdem ließ er sich gut starten und landen und auch die Wendigkeit war hoch. Doch nicht alle Motorschirmpiloten verlangen Fullreflex-Profile, der Verbrauch und die Sinkrate beispielsweise sind an einem Vollre- flexschirm immer etwas höher als an einem konventionellen Schirm und der Startlauf kann bei einem klassischen Profil noch etwas früher in eine Flugphase übergehen.
Der Chronos soll jetzt wieder genau diese Pilotengruppe ansprechen - ein Schirm, der mit relativ konventioneller Bauweise und einer Prise Reflex Reisetauglichkeit zeigen, gleichzeitig aber eine sehr hohe Wendigkeit und sehr kurze Startstrecken bieten soll. Außerdem kann der Tragegurt wieder klassisch übersichtlich ausfallen. Tatsächlich ist der Tragegurt übersichtlicher als die „Gasfabriken“ vieler Reflexmodelle. Eine Antitorqueleine kann in einer Hülse festgeklemmt werden. Die Leine „war beim Testgerät nur einseitig vorhanden — beim Umstieg auf einen anders herum drehenden Motor muss der Pilot ein paar Minuten Zeit in den Umbau investieren. Bei Vollreflexschirmen nehmen viele Piloten zunehmend auch die Antitorqueleinen als Steuerhilfe im beschleunigten Flug, das geht bei einseitiger Anbringung natürlich nicht. Eine zusätzliche Steuerhilfe ist aber auch kaum notwendig, wie wir später sehen werden.
KAPPENAUFBAU
An Stäbchen geht natürlich auch bei Mac Para kein Weg vorbei - die Eintrittskanten sind dank der Nylondrähte schon sehr weit offen, sobald der Schirm ausgelegt wurde. Die Leinen sind im oberen Bereich dünn und nicht ummantelt. Entsprechend muss die Startvorbereitung ein klein bisschen sorgfältiger geschehen. Ungewöhnliches Detail: Die linke und rechte Bremsspinne sind in der Mitte zusammengeführt. Damit soll offenbar ab einem bestimmten Bremseinsatz ein deutliches Herabziehen des mittleren Austrittskantenbereichs erreicht werden und die mögliche Minimalgeschwindigkeit nochmals deutlich geringer sein als bei einer klassischen Anlenkung. Im Pflichtenheft des Schirmes stehen auch Steuerkräfte, die im oberen Bereich gering bleiben und erst tiefer unten deutlich ansteigen sollen.
START
Im unteren Bereich sind die Fangleinen relativ übersichtlich, auch wenn leider nur die A-Leinen farblich von den anderen abgesetzt sind. Es wäre schön, wenn alle Hersteller hier dazu übergingen, für jede Fangleinen- Ebene andere Farben einzusetzen — Ground- handlingsfans beim „Klimpern“ wissen es zu schätzen. Zumal der Chronos ein schöner Groundhandlingsschirm ist: Er zeichnet sich bei allen Windverhältnissen durch sauberes Steigen ohne Ausbrechen sowie durch braves Stehenbleiben über dem Piloten aus. Auch wenn alle neuen Reflexkappen der verschiedenen Hersteller große Fortschritte im Starthandling gemacht haben, kommt der klassische Chronos eben doch noch einen Tick schneller hoch und ist noch angenehmer zu handeln. Auch ist die Abhebegeschwindigkeit noch unter jener der Vollreflexbrüder: Die sehr geringe Minimalgeschwindigkeit des Pflichtenhefts lässt sich beim Start bestätigen. Offenbar ist die Auftriebserhöhung beim Anbremsen im Startlauf durch relativ starkes Herunterziehen des mittleren Hinterkanten-bereichs besondes hoch.
Allerdings erstaunt die „Slowspeed”-Eignung des Mac Para Chronos im Flug etwas: Wenn die Trimmer ganz geschlossen sind, stellt sich die Kappe bei einer raschen Ausleitung einer Steilspirale deutlich mehr auf als andere Kappen. Das war überraschend, aber wohl kein Sicherheitsproblem - die Kappe blieb dann zwar eine Weile „hinten hängen”, ging dann aber ganz sanft und ohne besondere Schießtendenz wieder in eine Normalfahrt über. Man könnte aber fast das Gefühl haben, dass sich die Kappe in mittlerer Trimmerstellung noch wohler fühlt und die langsamste Trimmerstellung nur für den Start und schwache Thermiken gedacht ist. Die Wendigkeit ist in allen Trimmerstellungen sehr gut bis exzellent: Der Pilot merkt doch deutlich, dass es sich eher um eine klassische Kappe mit Semireflex handelt, die zudem auf hohe Wendigkeit ausgelegt ist. Das Feedback an den Steuerleinen ist sehr gut und die Reaktionen der Kappe sind sehr präzise: also auch ein schöner Schirm zum „Spielen”. Die Rollstabilität ist dennoch sehr gut und der Pilot kann Kurven auch recht flach halten, wenn er das möchte: Die Sinkrate bleibt angenehm gering und der Pilot merkt zweifellos, dass er unter einer leistungsfähigen Kappe unterwegs ist. Die Geschwindigkeiten des Chronos zeigen, dass es sich eben nicht um eine Vollreflexkappe handelt: Der Hersteller gibt die Geschwindigkeiten Vmin 23-24 km/h, Vtrimm mit 41-44 km/h und Vmax mit 55-57 km/h an. Unsere Messungen ergaben einen Trimmspeed von 41 km/h bei geschlossenem Trimmer, 47 km/h bei mittlerer Öffnung und 49 km/h ganz offen. Wenn der Beschleuniger hinzugenommen wird, steigt die Geschwindigkeit tatsächlich bis auf die angegebenen 55 km/h. Das ist unter jener aller modernen Vollreflexkappen, die allesamt (inklusive des Mac Para Mac Jet) 60 km/h erreichen oder übersteigen, der Wert ist aber gut für eine Semireflex-Kappe. In den mittleren Geschwindigkeitseinstellungen erweist sich die Kappe als sehr solide und homogen. Bei Fullspeed (Trimm offen und Fußbeschleuniger) erscheint die Eintrittskante logischerweise etwas nervöser als bei einer reinen Reflexkappe. In den von uns durch- flogenen recht sanften Turbulenzen war die Klapperresistenz klar ausreichend, aber wirklich turbulente Bedingungen sollten vielleicht auch mit dieser Kappe nicht im Fullspeed durchflogen werden. Das gilt aber ja auch für viele Reflexkappen, deren Hersteller eine Rücknahme der Geschwindigkeit bei starken Turbulenzen empfehlen.
FAZIT
Unter dem Motto „Back to the roots”, mit mit Semireflex, hat Mac Para eine neue Kappe gebaut, die sicherlich Erfolg haben dürfte. Eine Reisegeschwindigkeit mit offenem Trimmer ohne Fußbeschleuniger von 49 km/h ist doch schon „ein Wort”, die Möglichkeit der Beschleunigung auf Werte um 55 km/h sind sicherlich ausreichend, um vom Fleck zu kommen. Die spürbar geringe Sinkrate mit entsprechend geringerem Spritverbrauch im mittleren Geschwindigkeitsbereich ist ein Vorteil gegenüber Fullreflex- maschinen. Das gute Starthandling und die sehr geringe Abhebegeschwindigkeit, gepaart mit einem sehr guten Kurvenhandling, machen eine gelungene Werbung für die Semireflex- Konstruktionen.
PFLICHTENHEFT
• Einfaches Starten und Landen • Sehr gutes Handling in allen Trimmeinstellungen mit Steuerkräften • Niedriger Kraftstoffverbrauch über den ganzen Geschwindigkeitsbereich • Gute Reisegeschwindigkeiten Eingesetzte Mittel: • Neues Profil • Klappensystem im mittleren Bereich • Kürzere Leinenlängen, ausgeklügeltes Bremsleinensystem • Dünnere Galerieleinen
MAC PARA CRONOS +/-
+ einfaches Starthandling + relativ geringe Abhebegeschwindigkeit + hohe Wendigkeit in allen Bereichen + auf Wunsch flaches Kurvenhandling + gute Sinkrate - feine Galerieleinen erfordern Aufmerksamkeit bei der Startvorbereitung - einseitige Antitorque-Leine (zwischenzeitlich behoben)
PARAMOTOR DAS MOTORCHIRM-MAGAZIN (2/12) |